Unsere Vorstellungen von guter Schule

 

Unserer Ansicht nach gibt es zehn Punkte, an denen man eine gute Schule erkennt und überprüfen kann, wie die verantwortlichen Erwachsenen im Kontext Schule handeln.

 

1. Die Kinder und Heranwachsenden gehen gern in die Schule.

 

2. Die Pädagogen erkennen die Bedürfnisse der Kinder und fördern und fordern so jedes Kind individuell in Einzelsituationen, Kleingruppen oder im Plenum. So begleiten sie das tägliche (Er)Leben der Kinder und Heranwachsenden nicht nur in ihrem Tun, sondern auch in sozialen und emotionalen Bereichen.

 

3. Kinder und Heranwachsende können angstfrei um Hilfe bitten ohne ihr „Gesicht“ zu verlieren. In der Lernsituation wird auf die verschiedenen Voraussetzungen der Kinder geachtet. Niemand wird bloßgestellt. Aus diesem Grundsatz ergibt sich auch der Verzicht auf Ziffernzeugnisse bis einschließlich Klasse 7. Stattdessen erhalten die Schüler regelmäßige Rückmeldungen in Wort- und Reflexions-schreiben und in regelmäßig stattfindenden Gesprächen.

 

4. Schüler und Lehrer der FRS Loricula begegnen sich auf Augenhöhe. In unserer Schule werden echte Beziehungen zwischen Erwachsenen und Schülern gelebt. Die Pädagogen sind wichtige Bezugspersonen und begegnen den Kinder authentisch. Daher verzichten wir auf das verordnete Siezen. Die Schüler lernen im Lebensraum Schule ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Die Anweisungen werden nicht von oben erteilt, sondern mit den Schülern gemeinsam erarbeitet.

 

5. Der Umgang miteinander beinhaltet klare Regeln. Diese bieten den Erwachsenen und Schülern ein Geländer für das Miteinander. Schüler, Eltern und Pädagogen begegnen sich mit Respekt. Grundsätze des Miteinander werden gemeinsam aufgestellt und eingehalten. Bei Regelverletzungen gibt es vom Schulparlament festgelegte Sanktionen.

 

6. Die Schule wird nicht ausschließlich als Lernort gesehen, sondern auch als ein Lebensort wahrgenommen. Das kann man an der Gestaltung der Räume erkennen. Hierfür übernehmen alle Schulmitglieder eine große Verantwortung. Die Schule ist ein Ort des gemeinsamen Lebens. Aktuelle Bezüge sind sichtbar und die Schule zeigt sich auch im äußeren Erscheinungsbild sauber und gepflegt.

 

7. Die FRS Loricula ist in ihrer Stadt Erfurt integriert. Sie hält viele Kontakte zu anderen Institutionen und Vereinen der Stadt. Somit können Die Kinder und Heranwachsenden auch bei ihrer Arbeit an Projektthemen auf Institutionen und Experten aus ihrem Umfeld zurückgreifen und werden nicht nur das Gebäude der Schule als Lernumgebung erkennen und wahrnehmen. Lernen für das Leben wird ergänzt durch Lernen im Leben.

 

8. Die Pädagogen der FRS Loricula nehmen sich nicht als Einzelkämpfer wahr, sondern erleben sich in multiprofessionellen Teams. Sie tauschen Erfahrungen aus, reflektieren ihr eigenes Tun und unterstützen sich gegenseitig, sie besuchen Fortbildungen. Hospitationen durch Kollegen und Eltern sind willkommen.

 

9. Die Eltern als primäre Bezugspersonen des Kindes sind fester Bestandteil der Schulgemeinschaft. Eltern werden nicht nur als Kuchenbäcker für Schulfeste gebraucht. Sie sind die Erziehungsexperten ihrer Kinder und daraus ergibt sich eine enge Zusammenarbeit mit den Pädagogen der FRS Loricula. Das Engagement der Eltern wird auch in demokratischen Schulgremien, bei Exkursionen und Praktika gewünscht und gefördert. Die Eltern unterstützen die Schule durch ihr Mitwirken im Förderverein, sowie durch Rat und Tat in und an der Schule, z.B. beim Erstellen der schulinternen Materialien. Eltern und Großeltern sind als Experten in ihren Berufen gewinnbringend für die Schulgemeinschaft und stellen so mit ihren Kompetenzen und Erfahrungen eine unersetzbare Quelle von Vielfalt dar.

 

10. Eltern und Großeltern fühlen sich genauso wohl an der FRS Loricula wie ihre Kinder und Enkelkinder. Eltern können sich auf das Konzept der FRS Loricula einlassen und bringen den Pädagogen und ihren Kindern das nötige Vertrauen entgegen, damit beide Parteien ihre Arbeit ohne Druck nachkommen können. Sie suchen das Gespräch mit den Pädagogen, wenn sie sich unsicher fühlen und besuchen Veranstaltungen der Schule (Tag der offenen Tür) um sich ein besseres Bild zu erstellen. Eltern wissen um die Weiterentwicklung der Gesellschaft und der damit verbundenen Veränderung an Schule und legen deswegen nicht ihre Schulerfahrungsschablone auf ihr Kind und seine Pädagogen.

 

Quellen unserer Inspiration und unseres pädagogischen Konzepts

 

Wer möchte, kann sich über die Quellen unserer Inspiration für guten Unterricht und glückende Schule belesen. Dies sind sie im Wesentlichen:

 

Entwicklungspsychologie nach Jean Piaget

Erkenntsnistheorie und pädagogische Konzepte des Konstruktivismus

Lernhaus nach Dan Pink

demokratische Schule nach Cèlestin Freinet

Reformpädagogik nach John Dewey, Maria Montessori, Peter Petersen, Peter Struck, Jesper Juul und Marshall B. Rosenberg

 

Lernen findet für alle Menschen immer und überall statt, es findet im alltäglichen Leben statt. Es ist ein folgenreicher Fehler, den Begriff „Lernen“ auf das institutio-nalisierte Lernen in Schule und Lehrgängen zu verengen. Wir möchten die Lust auf eigenständiges, für das Individuum bedeutsames Lernen fördern, erhalten, gegebenenfalls wecken. Inwieweit dies gelingt, daran wollen wir uns messen lassen. 

Wir glauben, dass Lernen ein natürliches Bedürfnis ist und dass lernende Kinder keine Vorschriften brauchen, sondern ein Geländer, eben  Loricula (loricula - kleine Brustwehr, Geländer). Ein Geländer gibt Halt, wenn man es braucht. Ein Geländer gibt auch dann Sicherheit, wenn man es bereits loslassen kann.